Versicherungs-Darlehen

Viele Versicherungsgesellschaften verleihen Hypotheken-Darlehen. Allerdings geben sie das Geld nicht als Annuitäten-Darlehen heraus wie eine Bank oder Sparkasse, sondern verbinden das Darlehen mit dem Abschluss einer Kapitallebensversicherung. Diese übernimmt die Tilgung des Darlehens am Ende der Laufzeit. Bis dahin zahlt der Kunde keinen Euro des Darlehens zurück. Die Schulden bleiben vom ersten bis zum letzten Laufzeitjahr in voller Höhe bestehen. Und auf diese Schulden wird jedes Jahr der Zins berechnet. Zum Beispiel werden bei 200.000 € Hypothekendarlehen bei 6% Zinsen jedes Jahr 12.000 € Zinsen fällig, ohne dass die Schulden weniger werden. Das Geld für die Tilgung wird als Beitrag in die Lebensversicherung eingezahlt. Mit den eingezahlten Beiträge und der Gewinnbeteiligung kann das Hypothekendarlehen zurückgezahlt werden.

Die Rendite von Lebensversicherungen liegt zwischen 3% und 6%, je nach Leistungsfähigkeit der einzelnen Gesellschaften. Für die Schulden (Hypothekendarlehen) müssen aber mehr Zinsen aufgebracht werden als man an Kapitalerträgen bei der Lebensversicherung erhält. Daher rechnet sich diese Art der Finanzierung teilweise nicht. Die zurzeit schlechten Renditen an den Kapitalmärkten verschlechtern die Situation der Versicherer nochmals deutlich.

Wie lange sind die Laufzeiten?

Eine Versicherungs-Finanzierung dauert so lange, bis die Lebensversicherung ein Guthaben in Höhe des Hypothekendarlehens erreicht hat. Wann dies der Fall ist, ist aber unbestimmt, da es bei einer Lebensversicherung keine festen Kapitalerträge gibt. Je geringer die Erträge aus der Anlage der Kundengelder am Kapitalmarkt sind, desto länger dauert es, bis die Höhe des Hypothekendarlehens erreicht ist.

Die Hochrechnungen, die Gesellschaften und Vertreter gerne verwenden, sind unverbindlich. Ein, zwei oder drei Jahre Verlängerung der Laufzeit wegen schlechter Gewinnbeteiligung machen bei einer Finanzierung gleich mehrere Zehntausend Euro Verlust aus. Bei der Versicherungs-Finanzierung muss für jedes Verlängerungsjahr der Zins auf die gesamte Darlehenssumme gezahlt werden, da während der Laufzeit kein Cent getilgt wird.

Wie lange ist der Zinssatz festgeschrieben?

Üblich ist eine Festschreibung der Zinsen für zehn Jahre, manche Gesellschaften bieten auch 15 Jahre an. Endet nach zehn Jahren die Festschreibung, wird ein neuer Zinssatz für den nächsten Festschreibungs-Zeitraum festgelegt. Der neue Zinssatz orientiert sich an dem dann gültigen Zins-Niveau des Kapitalmarktes. Das Risiko besteht darin, dass der neue Zinssatz höher sein könnte als der bisherige. Das Problem bei der Versicherungs-Finanzierung: In zehn Jahren sind die Schulden genau so hoch wie zum Zeitpunkt der Darlehensgewährung, da keine laufende Tilgung stattfindet. Beim Annuitäten-Darlehen der Bank ist das anders.

Die Restschulden sind hier wegen der laufenden Tilgung geringer. Ein höherer Zinssatz trifft zwar auch das Annuitäten-Darlehen der Bank, aber nicht in dem Ausmaß wie bei der Versicherungs-Finanzierung.

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